Mit diesen Methoden gelingt die Vermehrung zuverlässig
- Absenker sind für rankende Brombeeren meist die einfachste Methode.
- Stecklinge werden im Frühsommer aus einjährigen Trieben geschnitten.
- Steckholz eignet sich im Spätherbst für eine Vermehrung ohne Blätter.
- Wurzelschnittlinge und Ausläufer passen besonders zu aufrecht wachsenden Sorten.
- Die neue Pflanze sollte erst nach ausreichender Bewurzelung umgesetzt werden und trägt meist ab dem zweiten Jahr.
Die passende Methode hängt von der Wuchsform ab
Bevor ich zur Schere greife, schaue ich mir die Brombeere genau an. Aufrecht wachsende Sorten bilden häufig Ausläufer oder lassen sich über Wurzelstücke vermehren. Lange, biegsame Ruten von rankenden und kriechenden Sorten eignen sich dagegen hervorragend für Absenker.
Stachellose Kultursorten treiben oft weniger Ausläufer als wilde Brombeeren. Dafür lassen sich ihre langen Triebe meist leicht zu Boden biegen. Die folgende Übersicht hilft bei der Auswahl.
| Methode | Geeignete Sorten | Zeitpunkt | Schwierigkeitsgrad |
|---|---|---|---|
| Absenker | Rankende und kriechende Sorten | Frühjahr bis Spätsommer | Sehr einfach |
| Sommerstecklinge | Vor allem rankende Sorten | Juni bis August | Einfach |
| Steckholz | Kräftige, ausgereifte Triebe | Spätherbst bis Winter | Einfach bis mittel |
| Ausläufer | Aufrecht wachsende Sorten | Oktober bis April | Einfach |
| Wurzelschnittlinge | Kräftige, etablierte Pflanzen | Spätherbst | Mittel |
Für die meisten Hausgärten würde ich mit einem Absenker beginnen. Die Verbindung zur Mutterpflanze bleibt bestehen, sodass der Trieb während der Wurzelbildung weiter mit Wasser und Nährstoffen versorgt wird.
Absenker sind für den Hausgarten meist die beste Wahl
Ein Absenker ist ein Trieb, der an einer Stelle Bodenkontakt bekommt und dort eigene Wurzeln bildet. Diese Methode ist besonders schonend und funktioniert bei vielen rankenden Brombeeren zuverlässig. Der beste Zeitraum liegt je nach Witterung zwischen April und September.
So gehe ich bei einem Absenker vor
- Wählen Sie eine gesunde, biegsame einjährige Rute, die bis zum Boden reicht.
- Lockern Sie die Erde an der vorgesehenen Stelle etwa 10 bis 15 Zentimeter tief.
- Biegen Sie den Trieb vorsichtig nach unten und bedecken Sie einen Abschnitt von ungefähr 10 Zentimetern mit Erde.
- Fixieren Sie die Stelle mit einem Haken, einem Stück Draht, einem Stein oder einer Astgabel.
- Lassen Sie die Triebspitze aus der Erde herausragen und halten Sie den Boden gleichmäßig feucht.
- Trennen Sie den bewurzelten Abschnitt erst ab, wenn sich ein stabiler Wurzelballen gebildet hat.
Bei einer Anlage im Frühjahr kann die neue Pflanze häufig im Herbst abgetrennt werden. Wird erst im Spätsommer abgesenkt, ist es sicherer, den Trieb bis zum folgenden Frühjahr an der Mutterpflanze zu lassen. Zu frühes Abtrennen ist einer der häufigsten Gründe für kümmerliches Wachstum.
Ein kleiner Schnitt an der Unterseite des Triebs kann die Wurzelbildung fördern, ist aber nicht zwingend nötig. Ich würde die Rinde nur leicht anritzen und keinesfalls tief in den Trieb schneiden. Bei stacheligen Sorten sind außerdem feste Handschuhe und eine scharfe, saubere Gartenschere sinnvoll.
Stecklinge und Steckholz für mehrere Jungpflanzen
Stecklinge sind praktisch, wenn aus einer Mutterpflanze mehrere neue Brombeeren entstehen sollen. Im Unterschied zum Absenker werden sie sofort von der Mutterpflanze getrennt. Deshalb brauchen sie anfangs eine hohe Luftfeuchtigkeit und dürfen nicht austrocknen.
Sommerstecklinge richtig schneiden
Verwenden Sie im Frühsommer junge, noch nicht vollständig verholzte Triebe. Schneiden Sie daraus etwa 5 bis 10 Zentimeter lange Stücke mit zwei oder drei Blattknoten, den sogenannten Nodien.
- Schneiden Sie den unteren Teil direkt unterhalb eines Blattknotens ab.
- Entfernen Sie die unteren Blätter und lassen Sie oben ein oder zwei Blätter stehen.
- Stecken Sie den Trieb etwa 2 bis 3 Zentimeter tief in lockere, nährstoffarme Anzuchterde.
- Drücken Sie das Substrat leicht an und gießen Sie vorsichtig.
- Stellen Sie den Topf hell, aber ohne pralle Mittagssonne auf.
- Decken Sie ihn mit einer transparenten Haube oder Folie ab und lüften Sie täglich.
Das Substrat soll feucht bleiben, aber niemals nass stehen. Staunässe lässt die Schnittbasis faulen. Nach etwa vier bis sechs Wochen zeigen sich bei gutem Verlauf neue Wurzeln oder frischer Austrieb. Sobald neue Blätter erscheinen, entferne ich die Abdeckung schrittweise, damit die Jungpflanze nicht unter einem abrupten Klimawechsel leidet.
Steckholz im Winter nutzen
Steckholz stammt aus gut ausgereiften, einjährigen Ruten und wird im Spätherbst nach dem Laubfall geschnitten. Die Stücke sollten ungefähr bleistiftdick und 15 bis 20 Zentimeter lang sein. Wichtig ist, die Wuchsrichtung zu markieren, damit das obere und untere Ende nicht vertauscht werden.
Stecken Sie das Holz an einem geschützten, schattigen Platz so tief in feuchte Erde, dass nur zwei bis drei Zentimeter herausragen. Alternativ können die Stücke in Töpfen mit lockerer Erde überwintern. Die Bewurzelung erfolgt langsamer als bei Sommerstecklingen, dafür ist die Methode im Winter besonders platzsparend.
Steckholz ist eine gute Ergänzung, aber nicht meine erste Wahl für wenige Pflanzen. Absenker wachsen meist sicherer an, während Steckholz vor allem dann interessant wird, wenn vorhandenes Schnittgut sinnvoll genutzt werden soll.
Ausläufer und Wurzelschnittlinge bei aufrechten Sorten
Aufrecht wachsende Brombeeren bilden gelegentlich unterirdische Ausläufer. Dabei treibt die Pflanze in einiger Entfernung von der Mutterpflanze neu aus. Solche Jungtriebe können mit einem möglichst langen Wurzelstück ausgestochen und direkt an einen neuen Standort gesetzt werden.
Ausläufer abstechen
Der passende Zeitpunkt liegt im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb oder im späten Herbst. Stechen Sie mit dem Spaten großzügig um den Jungtrieb herum, damit möglichst viele Feinwurzeln erhalten bleiben. Pflanzen Sie ihn sofort wieder ein und kürzen Sie lange Triebe auf etwa 20 bis 30 Zentimeter, damit das Verhältnis zwischen Wurzel und Blattmasse ausgeglichen bleibt.
Bei einer gut bewurzelten Jungpflanze ist diese Methode sehr unkompliziert. Sie funktioniert allerdings nur, wenn die Sorte tatsächlich Ausläufer bildet. Bei vielen modernen, stachellosen Sorten ist das kaum der Fall.
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Wurzelschnittlinge aus kräftigen Wurzeln gewinnen
Für Wurzelschnittlinge werden im Spätherbst kräftige Wurzeln vorsichtig freigelegt und in Stücke von ungefähr 5 Zentimetern Länge geteilt. Jedes Stück sollte mindestens eine sichtbare Triebknospe oder einen geeigneten Austriebspunkt besitzen.
- Füllen Sie eine Anzuchtkiste mit feuchter, lockerer Anzuchterde.
- Legen Sie die Wurzelstücke waagerecht hinein.
- Bedecken Sie sie mit etwa 2 Zentimetern Erde.
- Stellen Sie die Kiste hell, kühl und frostfrei auf.
- Halten Sie das Substrat leicht feucht und vermeiden Sie Staunässe.
- Pflanzen Sie die Jungpflanzen ins Beet, sobald sie im Frühjahr ungefähr 10 Zentimeter lange Triebe gebildet haben.
Die Entnahme sollte eine kräftige, gesunde Mutterpflanze nicht stark schwächen. Ich entnehme deshalb nur wenige Wurzelstücke und verschließe größere Verletzungen sauber mit Erde. Kranke oder von Schädlingen befallene Pflanzen eignen sich grundsätzlich nicht als Ausgangsmaterial.
Die Aussaat ist möglich, aber selten sinnvoll
Brombeeren lassen sich auch über Samen vermehren. Für den Hausgarten ist das jedoch meist die langsamste und unzuverlässigste Variante. Die Jungpflanzen können sich von der Mutterpflanze unterscheiden, weil bei der geschlechtlichen Vermehrung neue Kombinationen entstehen.
Wer eine bestimmte Sorte erhalten möchte, sollte deshalb eine vegetative Methode wählen. Absenker, Stecklinge und Wurzelschnittlinge erzeugen genetisch weitgehend identische Nachkommen. Die Aussaat ist eher für Züchtungsversuche oder für die Beobachtung spannender neuer Pflanzenformen interessant.
Nach dem Bewurzeln entscheidet die Pflege
Auch eine gut bewurzelte Brombeere braucht nach dem Umsetzen etwas Unterstützung. Wählen Sie einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit humosem, durchlässigem Boden. Vor der Pflanzung lockere ich den Boden tiefgründig und arbeite bei sehr sandiger Erde etwas reifen Kompost ein.
- Pflanzabstand bei aufrechten Sorten etwa 1 bis 1,5 Meter, bei stark rankenden Sorten eher 2 bis 3 Meter.
- Wasser in den ersten Wochen regelmäßig geben, besonders bei trockenem Wetter.
- Rankhilfe früh aufstellen, damit die empfindlichen Jungtriebe nicht später umgelegt werden müssen.
- Mulch aus Laub oder Rasenschnitt dünn auftragen, aber nicht direkt an die Triebbasis legen.
- Düngung im Frühjahr zurückhaltend einsetzen, da zu viel Stickstoff weiche, krankheitsanfällige Triebe fördert.
Warten Sie mit dem Auspflanzen, bis die Jungpflanze einen stabilen Wurzelballen besitzt. Ein einzelner neuer Trieb bedeutet nicht automatisch, dass die Bewurzelung abgeschlossen ist. Lässt sich die Pflanze leicht aus der Erde ziehen, braucht sie noch Zeit.
Welche Entscheidung im eigenen Garten am meisten bringt
Bei einer rankenden Brombeere ist ein Absenker normalerweise der sicherste Weg zu einer kräftigen neuen Pflanze. Für mehrere Exemplare bieten sich Sommerstecklinge an, während aufrechte Sorten häufig mit Ausläufern oder Wurzelschnittlingen vermehrt werden.
Am wichtigsten sind ein gesunder Mutterstrauch, sauberes Werkzeug, gleichmäßige Feuchtigkeit und Geduld. Wer diese vier Punkte beachtet und den jungen Pflanzen im ersten Winter etwas Schutz gibt, kann aus einer einzigen Brombeere ohne großen Aufwand eine kleine, ertragreiche Beerenreihe entwickeln.