Ein Drachenbaum lässt sich mit wenigen Handgriffen aus einer älteren Pflanze neu ziehen. Ich zeige, welche Stecklinge geeignet sind, wann der beste Zeitpunkt gekommen ist und wie die Bewurzelung in Wasser oder Erde zuverlässig gelingt.
Mit diesen Grundlagen gelingt die Vermehrung meist problemlos
- Kopfstecklinge mit 8 bis 15 cm Länge sind für Einsteiger am einfachsten.
- Frühling und Sommer bieten die besten Bedingungen für eine schnelle Wurzelbildung.
- Das Substrat sollte locker, durchlässig und nur leicht feucht sein.
- Bei Stammstücken muss die ursprüngliche Wuchsrichtung erhalten bleiben.
- Helle Wärme ohne direkte Mittagssonne fördert die Bewurzelung deutlich.
Welche Methode passt zu deinem Drachenbaum
Die meisten Drachenbäume, darunter der beliebte Dracaena marginata und der Duftende Drachenbaum, lassen sich über Kopfstecklinge, Stammstücke oder Bodentriebe vermehren. Samen spielen bei Zimmerpflanzen kaum eine Rolle, weil die Aussaat deutlich länger dauert und Sorteneigenschaften nicht immer erhalten bleiben.
| Methode | Geeignet für | Vorteil | Geduld |
|---|---|---|---|
| Kopfsteckling | Triebspitze mit Blattschopf | Schneller Start und sofort dekorativ | Etwa 3 bis 8 Wochen |
| Stammsteckling | Verholzter Stamm | Mehrere neue Pflanzen aus einem Rückschnitt | Oft etwas langsamer |
| Bodentrieb | Junger Seitentrieb mit eigenen Wurzeln | Besonders unkompliziert, wenn bereits Wurzeln vorhanden sind | Meist schneller |
Ich bevorzuge bei einer zu hoch gewachsenen Pflanze den Kopfsteckling. Er bewurzelt meist zügig und bringt von Anfang an den typischen Blattschopf mit. Stammstücke sind dagegen ideal, wenn beim Rückschnitt mehrere Abschnitte anfallen und du gleich mehrere kleine Drachenbäume heranziehen möchtest.
Der richtige Zeitpunkt und eine saubere Vorbereitung
Am zuverlässigsten funktioniert die Vermehrung zwischen März und August, wenn der Drachenbaum aktiv wächst. In einem warmen, hellen Zimmer kann ein Versuch zwar auch außerhalb dieser Zeit gelingen, doch im Winter dauert die Wurzelbildung oft länger und Ausfälle sind wahrscheinlicher.
Du brauchst ein scharfes, sauberes Messer oder eine Gartenschere, ein kleines Gefäß und entweder Wasser oder ein durchlässiges Anzuchtsubstrat. Für die Erde eignet sich beispielsweise torffreie Anzuchterde mit Perlite oder grobem Sand. Normale, schwere Blumenerde speichert häufig zu viel Wasser und erhöht das Risiko für Fäulnis.
- Wähle eine gesunde, kräftige Mutterpflanze ohne weiche Stämme oder Schädlingsbefall.
- Schneide möglichst unterhalb eines Blattansatzes oder einer sichtbaren Triebknospe.
- Entferne die unteren Blätter, damit später kein Laub im Wasser oder Substrat steckt.
- Lass frische Schnittstellen bei Bedarf ein bis drei Stunden antrocknen.
Der Schnitt darf glatt und sauber sein, muss aber nicht mit Kerzenwachs verschlossen werden. Entscheidend sind ein hygienisches Werkzeug, ein gesunder Steckling und ein Standort ohne starke Temperaturschwankungen.
Kopfstecklinge Schritt für Schritt bewurzeln
Ein Kopfsteckling besteht aus der Triebspitze und dem darüber sitzenden Blattschopf. Schneide ihn mit einer Länge von ungefähr 8 bis 15 cm ab. Sehr lange, weiche Triebe verlieren viel Wasser und kippen leichter um, während ein kompakter Steckling seine Energie besser in die Wurzelbildung steckt.
- Entferne die unteren Blätter und lasse am oberen Ende nur den gesunden Blattschopf stehen.
- Fülle einen kleinen Topf mit feuchtem, lockerem Anzuchtsubstrat.
- Stecke den Trieb etwa 2 bis 4 cm tief in die Erde.
- Drücke das Substrat vorsichtig an, damit der Steckling stabil steht.
- Stelle den Topf hell und warm, aber ohne pralle Sonne auf.
Eine durchsichtige Tüte über dem Topf kann die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Sie darf die Blätter jedoch nicht dauerhaft berühren und sollte täglich kurz gelüftet werden. Sonst bildet sich Kondenswasser, und aus einem guten Steckling wird schnell ein Fäulnisproblem.
Halte die Erde gleichmäßig leicht feucht, aber niemals nass. Nach etwa drei bis acht Wochen zeigt ein vorsichtiger Zug am Steckling einen leichten Widerstand. Das ist ein gutes Zeichen für neue Wurzeln. Noch besser ist ein frischer Austrieb, denn er zeigt, dass der Steckling nicht nur Wurzeln bildet, sondern wieder aktiv wächst.
Stammstecklinge und Bodentriebe richtig einsetzen
Beim Rückschnitt eines langen oder kahlen Drachenbaums bleiben oft mehrere brauchbare Stammstücke übrig. Teile den verholzten Stamm in 4 bis 10 cm lange Abschnitte. Jedes Stück sollte mindestens eine Triebknospe besitzen, die sich als leichte Verdickung unter der Rinde erkennen lässt.
Markiere vor dem Schneiden die Oberseite mit einem kleinen Strich. Das klingt nebensächlich, ist aber einer der häufigsten Fehler. Ein Stammstück, das verkehrt herum in die Erde oder ins Wasser kommt, bildet oft keine brauchbaren Wurzeln und treibt nicht wie gewünscht aus.
- Lege die Stammstücke einige Stunden trocken und schattig ab.
- Setze sie anschließend mit der richtigen Seite nach oben in leicht feuchtes Substrat.
- Stecke ungefähr ein Drittel bis die Hälfte des Abschnitts in die Erde.
- Halte das Substrat warm und nur mäßig feucht.
- Warte geduldig auf einen Austrieb, statt den Steckling ständig herauszuziehen.
Junge Bodentriebe sind noch einfacher zu behandeln. Wenn ein Seitentrieb bereits eigene Wurzeln besitzt, kannst du ihn vorsichtig von der Mutterpflanze lösen und direkt in einen kleinen Topf setzen. Sind noch keine Wurzeln vorhanden, wird er wie ein Kopfsteckling behandelt.
Wasser oder Erde und was danach wichtig ist
Die Bewurzelung im Wasserglas ist anschaulich, weil du die ersten Wurzeln direkt beobachten kannst. Für Anfänger ist sie deshalb angenehm. Ich halte die Bewurzelung in lockerem Substrat trotzdem für die bessere Dauerlösung, weil die späteren Erdwurzeln nicht erst an die veränderte Umgebung angepasst werden müssen.
| Bewurzelung im Wasser | Bewurzelung in Erde |
|---|---|
| Wurzeln sind gut sichtbar | Der Steckling kann im gleichen Gefäß weiterwachsen |
| Wasser alle 5 bis 7 Tage wechseln | Substrat nur leicht feucht halten |
| Bei trübem oder riechendem Wasser sofort wechseln | Staunässe und schwere Erde vermeiden |
| Umsetzen, sobald mehrere Wurzeln etwa 3 bis 5 cm lang sind | Nach kräftigem Austrieb in normale Grünpflanzenerde setzen |
Für das Wasserglas reicht es, den unteren Bereich des Stecklings wenige Zentimeter einzutauchen. Die Blätter dürfen nicht im Wasser hängen. Ein heller Platz ohne direkte Sonne und eine Raumtemperatur von ungefähr 20 bis 25 °C schaffen gute Bedingungen.
Nach dem Einpflanzen brauchen junge Pflanzen zunächst keinen großen Topf. Ein Gefäß mit 8 bis 10 cm Durchmesser genügt meist. Gieße erst wieder, wenn die obere Erdschicht leicht abgetrocknet ist, und dünge frühestens nach vier bis sechs Wochen vorsichtig.
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Diese Fehler bremsen die Wurzelbildung
- Zu viel Wasser: Ein weicher, dunkler Steckling fault meist eher, als dass er neue Wurzeln bildet.
- Zu wenig Licht: Im dunklen Raum bleibt die Pflanze lange ohne Austrieb und wird schwach.
- Kalte Fensterbank: Temperaturen unter etwa 18 °C verlangsamen die Bewurzelung deutlich.
- Zu viele Blätter: Ein großer Blattschopf verdunstet mehr Wasser, als der Steckling aufnehmen kann.
- Ständiges Kontrollieren: Herausziehen beschädigt gerade entstehende Wurzeln.
Braune oder vertrocknete Blattspitzen sind während der Bewurzelung nicht automatisch ein schlechtes Zeichen. Wird der Stamm jedoch weich, riecht das Wasser unangenehm oder verfärbt sich die Schnittstelle schwarz, solltest du den betroffenen Bereich bis ins gesunde Gewebe zurückschneiden.
So wird aus dem Rückschnitt eine stabile neue Zimmerpflanze
Ein Drachenbaum muss nach dem Schnitt nicht kahl bleiben. Der verbleibende Stamm kann unterhalb der Schnittstelle neue Triebe bilden, während die abgeschnittene Spitze und gesunde Stammstücke zu eigenen Pflanzen heranwachsen.
Mein wichtigster Rat lautet deshalb, nicht zu früh aufzugeben. Wärme, helles Streulicht, sauberes Arbeiten und ein sparsamer Umgang mit Wasser machen in der Praxis den größten Unterschied. Sobald der Steckling neue Blätter schiebt und fest im Substrat sitzt, hast du den schwierigsten Teil bereits geschafft.